50 Millionen Euro für die Energieforschung: Woran das EIZ in der Lausitz arbeitet
Das Energie-Innovationszentrum an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus–Senftenberg geht in eine zweite Förderphase. Für weitere fünf Jahre stehen nach Angaben der Universität rund 50 Millionen Euro aus dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt zur Verfügung. Im Mittelpunkt steht eine Frage, die für die Lausitz besonders wichtig ist: Wie lässt sich ein Energiesystem mit mehr erneuerbaren Quellen zuverlässig und wirtschaftlich betreiben?
Das EIZ arbeitet seit 2022 an dieser Aufgabe. Inzwischen forschen dort mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus über 20 Ländern. Die Arbeit verteilt sich auf fünf Labore. Hinzu kommen 19 Partnerinstitutionen aus der regionalen und überregionalen Energiewirtschaft.
Die Forschung betrachtet einzelne Anlagen ebenso wie ihr Zusammenspiel. Denn Strom, Wärme und Mobilität werden zunehmend miteinander verbunden. Was in einem Bereich sinnvoll erscheint, kann an anderer Stelle zusätzliche Anforderungen auslösen. Werden beispielsweise Fahrzeuge geladen oder Wärme elektrisch erzeugt, verändern sich die Lasten im Stromsystem.
Was Sektorenkopplung praktisch bedeutet
Ein wichtiger Ansatz ist die sogenannte Sektorenkopplung. Dahinter steckt die Verbindung bisher oft getrennt betrachteter Bereiche. Elektrischer Strom kann etwa zur Wärmeerzeugung, zum Laden von Fahrzeugen oder zur Herstellung von Wasserstoff eingesetzt werden. So entstehen zusätzliche Möglichkeiten, Energie zu nutzen oder zeitlich anders verfügbar zu machen.
Die BTU nennt als Beispiel Situationen, in denen Wind- und Solaranlagen viel Strom liefern. Statt überschüssige Erzeugung ausschließlich abzuregeln, könnten andere Anwendungen einen Teil davon aufnehmen. Ob das im konkreten Fall funktioniert, hängt allerdings von den Anlagen, den Netzen, dem jeweiligen Bedarf und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Die Forschung soll hierfür belastbare Lösungen entwickeln.
In der ersten Förderphase wurde die Forschungsinfrastruktur aufgebaut. Das Wissenschaftsministerium des Landes Brandenburg unterstützte dabei die Labore. In der nun angekündigten Phase sollen die Arbeiten weitergeführt und Ergebnisse stärker in Richtung praktischer Anwendung entwickelt werden.
Eine wichtige Rolle spielen Demonstratoren. Damit lassen sich technische Ansätze unter nachvollziehbaren Bedingungen erproben, bevor sie in größerem Umfang eingesetzt werden. Für Unternehmen ist dieser Schritt bedeutsam: Ein funktionierender Laborversuch beantwortet noch nicht alle Fragen zum dauerhaften Betrieb, zu Kosten oder zur Einbindung in vorhandene Anlagen.
Warum das für die Lausitz zählt
Die Region steht vor dem Umbau ihrer Energie- und Wirtschaftsstruktur. Das EIZ kann dabei Wissen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen zusammenbringen. Die Zusammenarbeit mit Partnern aus der Energiewirtschaft soll helfen, praktische Anforderungen früh in die Entwicklung einzubeziehen.
Aus der Förderung folgt allerdings noch keine konkrete Zusage für neue Arbeitsplätze oder eine bestimmte Anlage an einem einzelnen Standort. Finanziert wird zunächst die weitere Forschungs- und Entwicklungsarbeit des Zentrums. Ihr regionaler Wert liegt darin, dass Fachwissen und Erprobungsmöglichkeiten in der Lausitz aufgebaut und über mehrere Jahre weiterentwickelt werden.
Red/PM
Bild: Johannes Zantow
