LEAG erhält Zuschläge für Gaskraftwerke in Jänschwalde und Boxberg
Für die Kraftwerksstandorte Jänschwalde und Boxberg gibt es eine neue Perspektive nach der Kohle: Die LEAG hat in der ersten Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur Zuschläge für sechs neue Gaskraftwerksblöcke in der Lausitz erhalten. Vier sind in Jänschwalde vorgesehen, zwei in Boxberg. Das teilte das Unternehmen am 3. November mit.
Ein weiterer Zuschlag betrifft ein Projekt im bayerischen Leipheim. Für alle sieben Blöcke zusammen nennt die LEAG eine installierte Leistung von 3.680 Megawatt und Investitionen von rund 1,5 bis zwei Milliarden Euro. Diese Investitionssumme bezieht sich auf sämtliche Projekte, nicht allein auf die beiden Lausitzer Standorte. Nach Unternehmensangaben müssen die Anlagen spätestens Ende 2031 in Betrieb gehen.
Bestehende Standorte für neue Anlagen nutzen
In Jänschwalde plant die LEAG vier Blöcke mit jeweils 560 Megawatt Leistung. Für Jänschwalde und Boxberg setzt sie auf ein Konzept, das sie „FuelSwitch“ nennt: Der Wechsel des Brennstoffs soll mit der Weiterverwendung vorhandener Kraftwerksinfrastruktur verbunden werden. Neben den Netzanschlüssen kommen dafür nach Angaben des Unternehmens einzelne Gebäude und bestimmte technische Komponenten infrage.
Es geht damit um neue Gaskraftwerksanlagen an bereits erschlossenen Energiestandorten. Die LEAG verspricht sich von diesem Vorgehen weniger Materialbedarf, geringere Kosten und kürzere Realisierungszeiten als bei einem vollständigen Neubau ohne vorhandene Infrastruktur. Das sind die Erwartungen des Unternehmens an die Umsetzung; die Zuschläge selbst bedeuten noch keine Inbetriebnahme.
Alle Projekte sollen auf einen späteren Einsatz von Wasserstoff vorbereitet werden. Die Bezeichnung „H2-ready“ beschreibt hier diese Perspektive. Sie ist keine Aussage darüber, dass die geplanten Anlagen bereits heute Wasserstoff einsetzen. In Leipheim soll ein weiterer Block mit 320 Megawatt auf einer erschlossenen Industriefläche neben dem bestehenden Gasturbinenkraftwerk entstehen.
Für die Lausitz betrifft die Entscheidung auch die weitere Nutzung industrieller Erfahrung. Die LEAG will Fachkenntnisse ihrer Beschäftigten beim Übergang von der Kohle zu anderen Energietechnologien weiter einsetzen. Konzernbetriebsratsvorsitzende Silke Rudolf begrüßt die Projekte als Perspektive für qualifizierte Arbeitsplätze über den Kohleausstieg hinaus. Eine konkrete Zahl zusätzlicher oder dauerhaft gesicherter Stellen nennt die aktuelle Mitteilung nicht.
Wofür die zusätzliche Kraftwerksleistung vorgesehen ist
Die Anlagen sollen insbesondere dann Strom bereitstellen, wenn Wind- und Solarenergie den Bedarf nicht ausreichend decken. Die LEAG plant sie als Ergänzung zu erneuerbaren Energien und Batteriespeichern ihrer GigawattFactory. Der Ansatz verbindet damit unterschiedliche Aufgaben: Strom erzeugen, ihn speichern und bei Bedarf zusätzliche steuerbare Leistung verfügbar machen.
Die jetzt bekannt gegebenen Zuschläge sind Teil der ersten Ausschreibung für Langzeitkapazitäten nach dem Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz, kurz StromVKG. Bundesweit erhielten elf Gebote einen Zuschlag. Die Bundesnetzagentur nennt dafür insgesamt rund 5.160 Megawatt reduzierte Leistung. Auf Brandenburg entfallen vier Zuschläge mit rund 1.819 reduzierten Megawatt, auf Sachsen zwei mit rund 910.
Bei diesen Zahlen ist die Einheit wichtig: Die Ausschreibung verwendet reduzierte Megawatt, abgekürzt rMW. Diese Ausschreibungsgröße ist von der installierten Anlagenleistung zu unterscheiden. Für ihre sieben Projekte nennt die LEAG neben den 3.680 Megawatt installierter Leistung insgesamt 2.998 rMW. Die unterschiedlichen Werte beschreiben deshalb nicht dieselbe Größe.
Die Entscheidung fällt in einen bereits laufenden Umbau des Lausitzer Energiereviers. Im September hatte die LEAG die Inbetriebnahme des Windparks Forst-Briesnig 2 und des ersten Bauabschnitts des Energieparks Bohrau sowie den Baustart für einen großen Batteriespeicher in Jänschwalde gemeldet. Mit den nun bezuschlagten Gasprojekten kommt die Planung steuerbarer Kraftwerksleistung hinzu.
Red/PM
Bild: KI-generiertes Symbolbild, erstellt mit OpenAI.


