Industriestandort Schwarzheide (Archivaufnahme). Keine Aufnahme des LAUSITZFORUMS vom 4. November 2026. Bild: seenluft24 (Archiv)

Lausitzforum in Schwarzheide: Verbände fordern Fonds und günstigeren Industriestrom

Die Wirtschaftsverbände Brandenburg-Berlin und Sachsen verlangen weitere konkrete Schritte für das Net Zero Valley Lausitz. Anlässlich des LAUSITZFORUMS am 4. November in Schwarzheide haben sie Vorschläge zu Finanzierung, weniger Bürokratie und verlässlichen Energiepreisen vorgelegt. Ziel ist, dass der wirtschaftliche Umbau auch Unternehmen in der Fläche erreicht.

Die Verbände würdigen die bisherigen Großinvestitionen in der Region, sehen aber weiterhin Widersprüche und ungelöste Probleme. Verbandspräsident Burkhardt Greiff verweist darauf, dass der Strukturwandel zusätzlich von der allgemeinen Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft überlagert werde. Die Forderungen richten sich deshalb sowohl auf neue Ansiedlungen als auch auf die Entwicklung bereits vorhandener Betriebe.

Fonds, weniger Bürokratie und verlässlicher Industriestrom

Ein Schwerpunkt ist ein Finanzierungs- und Förderangebot für Unternehmen, deren Vorhaben nachvollziehbar zu den Zielen des Net Zero Valley beitragen. Davon sollen nach den Vorstellungen der Verbände regionale Betriebe ebenso profitieren können wie Unternehmen, die sich neu ansiedeln. Als möglichen Baustein bringen sie einen regionalen Fonds ins Gespräch. Eine beschlossene Einrichtung oder bereits verfügbare Förderung wird damit nicht angekündigt.

Zudem soll die Lausitz nach dem Willen der Verbände als Modellregion für einfachere Regeln und schnellere Verfahren dienen. Ausgangspunkt wären die vier ausgewählten Technologiefelder und die elf Fokusflächen des Net Zero Valley. Erfahrungen aus diesen Bereichen sollen anschließend auch anderen Vorhaben zugutekommen.

Beim grünen Industriestrom fordern die Verbände ein wettbewerbsfähiges, verlässliches Angebot. Als Orientierung nennen sie einen effektiven Gesamtpreis von weniger als 7,5 Cent je Kilowattstunde. Diese Zahl ist eine Forderung der Wirtschaft und kein zugesagter Stromtarif. Ergänzend wollen die Verbände die Möglichkeiten der CO₂-Abscheidung mit dauerhafter Speicherung sowie der anschließenden Nutzung von CO₂ für die Region erschließen.

Für die politische Umsetzung schlagen sie ressortübergreifende Arbeitsgruppen in Brandenburg und Sachsen vor. Die Zuständigkeit solle weiterhin bei den jeweiligen Wirtschaftsministerien liegen. Eine zusätzliche Ansprechstruktur auf Bundesebene könnte nach ihrer Vorstellung die deutschen Net Zero Valleys mit der Bundespolitik verbinden.

Was das Net Zero Valley für die Lausitz bedeutet

Brandenburg und Sachsen haben die Lausitz im Dezember 2025 gemeinsam als Net Zero Valley ausgewiesen. Grundlage ist der europäische Net Zero Industry Act. Dahinter steht das Ziel, die Herstellung von Technologien für eine klimafreundlichere Industrie auszubauen und die dafür nötigen Investitionen zu erleichtern.

In der Lausitz konzentriert sich das Vorhaben auf Batterie- und Speichertechnologien, Wasserstofftechnologien, Stromnetztechnologien sowie Energieeffizienz und die Verbindung verschiedener Energiesektoren. Auf elf Fokusflächen soll die Ansiedlung solcher Produktion erleichtert und beschleunigt werden. Nach Angaben des Brandenburger Wirtschaftsministeriums wurde dafür bereits eine strategische Umweltprüfung durchgeführt. Sie soll helfen, doppelte Prüfungen in späteren Planungs- und Genehmigungsverfahren zu vermeiden.

Für Unternehmen und Beschäftigte vor Ort ist damit die Frage verbunden, wie aus dem übergeordneten Konzept tatsächlich Aufträge, Investitionen und neue Wertschöpfung entstehen. Genau an dieser Umsetzung setzen die Verbände mit ihren Vorschlägen an. Die Ausweisung der Modellregion und die nun geforderten zusätzlichen Finanzierungs- und Energieangebote sind dabei unterschiedliche Schritte.

Auch organisatorisch wollen die Verbände die Zusammenarbeit über die Landesgrenze hinweg verstärken. Laut ihrer Mitteilung wird beim Forum der gemeinsame Verbandsbezirk „Unternehmerverband Lausitz – Die Wirtschaftsinitiative“ vorgestellt. Darin arbeiten die Landesverbände Brandenburg-Berlin und Sachsen mit der bisherigen Wirtschaftsinitiative Lausitz zusammen. Das Forum im Kulturhaus der BASF Schwarzheide bietet den Anlass für diese wirtschaftspolitischen Positionen; eine Umsetzung der Forderungen ist mit der Vorstellung noch nicht beschlossen.

Red/PM
Bild: seenluft24 (Archiv; Industriestandort Schwarzheide, keine Aufnahme des Forums)

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